Decolonize 1968! Bewegungsgeschichte von BPOC-Frauen* @ Gunda-Werner-Institut, Berlin [13. Juni]

Decolonize 1968! Bewegungsgeschichte von BPOC-Frauen*


788
13.
Juni
18:00 - 21:00

 Facebook-Veranstaltungen
Gunda-Werner-Institut
Schumannstraße 8, 10117 Berlin, Germany
1968 oder auch schlicht die ‚68er’ markieren die Bewegungsjahre, die unser Verständnis von Gleichberechtigung, sexueller Selbstbestimmung, Toleranz und Meinungsfreiheit maßgeblich verändert und beeinflusst haben. 50 Jahre später wird in der mehrheitsgesellschaftlichen Erinnerung 1968 gar zu einer weltpolitischen Zäsur, die wie kein anderes Erlebnis unsere heutige Demokratieauffassung prägte. Inspirieren ließen sich diese 68er jedoch von internationalen Schwarzen und POC-Bürgerrechts- und Befreiungsbewegungen, die im gegenwärtigen Erinnerungskonstrukt ‚68’ in eine westlich geprägte antikapitalistische und linke Bewegungsgeschichte eingewoben wurde. Ein solches Bild produziert und hinterlässt vor allem Leerstelle...n und schreibt diverse Gruppen und Akteur*innen aus mehrheitsgesellschaftlicher Erinnerung heraus.

Unsere Veranstaltung schlägt einen Perspektivwechsel ein und blickt auf die, die nicht nur ‚auch mit dabei’ waren, sondern oftmals aufgrund ihrer bewegungsgeschichtlichen Eingebundenheit in antikoloniale, antirassistische und antiimperialistische Kämpfe in Afrika, Asien und den Amerikas auch in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR maßgebliche Akzente setzten. Wir zeigen, was rassismuserfahrene BPOC-Frauen* in den Bewegungsjahren um 1968 in beiden deutschen Staaten erlebt und wahrgenommen haben. Mit ihren (Lebens-)Geschichten und Stimmen wird es möglich, sowohl ‚68’ selbst als auch dessen Einfluss auf unser heutiges Gesellschaftsverständnis neu zu verstehen.

Gerade vor dem Hintergrund unserer gegenwärtigen Herausforderungen, einer erstarkenden neuen Rechten zu begegnen, die nicht nur die fragilen Errungenschaften der feministischen Bewegungen der 68er bekämpft, sondern diese auch ganz unverhohlen völkisch umdeutet und sich damit aneignet, ist es wichtig, aufzuzeigen, wo und wie bereits damals die Verknüpfung von Ungleichheitsdimensionen und Differenzkategorien aktiv praktiziert und eingefordert wurde. Wenn wir heute überlegen, welchen Feminismus wir leben wollen, mit wem wir uns verbünden und aus welcher Geschichte wir lernen und schöpfen wollen, müssen wir die (Lebens-)Geschichten der BPOC-Frauen* dieser Zeit kennen. Sie haben im Spannungsfeld von Sexismus und Rassismus der 1968er Jahre für ein selbstbestimmtes Leben und sexuelle Selbstbestimmung gekämpft und waren wichtige Akteur*innen soziokultureller Transformationsprozesse.

Moderation: Peggy Piesche


Anmerkung:
BPOC steht für die politische Selbstbezeichnung Black und People of Color, die eine geteilte Rassismuserfahrung aufgreift und diese in eine kollektive Bündnispositionierung einfließen lässt. Das * verweist auf die Konstruiertheit der Kategorie Frau und ermöglicht es, Identitäten und Selbstpositionierungen jenseits der historisch gängigen und meist zugeschriebenen Bezeichnungspraxen (wie Frauen und Lesben) mitzudenken und gibt so Raum für Aktivist*innen.

Foto: Westberliner Komitee für die Rechte der Frau, 20.11.1976 — Urheber/in: Fotograf: Jürgen Henschel, Quelle: FHXB Friedrichshain- Kreuzberg Museum. Alle Rechte vorbehalten.
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