Opening: Paul Kuimet & Nina Schuiki - "Space Coordinates" @ WNTRP, Potsdamer Str. 91, 10785 Berlin, Berlin [11. Januar]

Opening: Paul Kuimet & Nina Schuiki - "Space Coordinates"


282
11.
Januar
17:00 - 20:00

 Facebook-Veranstaltungen
WNTRP, Potsdamer Str. 91, 10785 Berlin
Paul Kuimet / Nina Schuiki
«Space Coordinates»
Eröffnung: 11. Januar 2018, 17 – 20 Uhr
Ausstellung: 12. Januar – 03. März 2018
Kuratiert von Nico Anklam

«Space Coordinates» zeigt Werke von Nina Schuiki und Paul Kuimet, die sich als fotografische oder bildhauerische Abfolgen im Raum verdichten. Diese seriellen Resultate verbleiben oft in einer Form von Endlosschleife arretiert oder scheinen sich unendlich zyklisch fortzusetzen. Beiden Künstlern ist ein Interesse an diesen Themen gemein – sie treffen für die Ausstellung «Space Coordinates» erstmals aufeinander.

Nina Schuiki enthebt in «endless candle» (2017) eine Kerze ihrer Licht spendenden Funktion und streckt sie soweit, dass sie zu einem Kreis verschmilzt. So entsteht ein heller, semitransparenter Ring aus Wachs mit sichtbarem Docht, in dem die Kerze als Lichtquelle und Zeitmesserin in die Form des Loops verschoben wird. In einer über 12 Meter langen Holzkette, «Everything is not lost» (2016), reorganisiert Schuiki gefundene Tische und Stühle von den Straßen Shanghais zu einer normierten Aneinanderreihung von Punkten im Raum. Auch hier sind Anfang und Ende miteinander verbunden und das sich dadurch ergebende endlose Band erinnert an die populäre Gebetskette. Die neue Serie «Hand» (2017) besteht aus abstrakten Fotografien, die Schuiki direkt auf Glas druckt und deren Motive sich als Zufallsbilder von Handykameras herausstellen, die Handinnenflächen zeigen. Das auf taktile Durchlässigkeit konstruierte Portal des Touchscreens verkehrt sich hier zur versperrten Aussicht und gewinnt als fotografische Erscheinung eine ungeahnte Kraft. Schuikis Arbeit erinnert an jene „Bilder aus Versehen”, die Peter Geimer in seinem gleichnamigen Band beschreibt. Die dargestellten Dinge lösen sich in Nahaufnahme auf und stattdessen kommt „das Medium der Darstellung selbst zum Vorschein.” Durch die abstrakte Handinnenfläche ist der Bildschirm weniger durchsichtig, als vielmehr selbst als Glasobjekt (be-)greifbar.

In Paul Kuimets Dia-Projektion «Untitled Transparencies» von 2017 bleiben die Bilder ebenfalls in ihrem Medium stecken. In Endlosschleife zeigt Kuimet verblendete Fenster an Fassaden der traditionellen Holzhäuser Estlands. Das Fenster als Lichtquelle für den architektonischen Innenraum wiederholt sich im analogen Diapositivrahmen als mediales Fenster, durch den das Licht fällt um ein Bild zu produzieren. Kuimet wirft das Lichtbild neuerlich auf eine Wand und so entstehen Bilder von verblendeten Fenstern als weitere Fenster im Ausstellungsraum. Das Fenster als Fenster als Fenster verharrt so in der Projektorkiste während das Dia-Karussell unaufhörlich weiter im Kreis läuft.
Die als 16-mm schwarzweiß Film entwickelte Arbeit «2060» (2014) schließt hier thematisch an und zeigt eine Plastik des estnischen Künstlers Edgar Viies von 1968. Das Möbiusband der gefilmten Skulptur wird sowohl in dem unendlichen Umkreisen des gefilmten Objekts, als auch im geloopten Filmstreifen, der unaufhörlich durch den Projektor rauscht, reflektiert und erweitert. Die ursprüngliche Plastik von Viies schien im sozialistischen Estland formal auch der Bildhauerei der westlichen Abstraktion verbunden zu sein. Kuimets Film «2060» konserviert sie in diesem Zustand um sich selbst kreisender, konstanter Neuausrichtung auf einer beidseitig einsehbaren Leinwand. Die Betrachter*innen umkreisen das gefilmte Objekt auf der Leinwand. Kuimet verweist hier nicht zuletzt auf die berüchtigte Kritik von Michael Fried an der modernen Skulptur, die er ein Jahr vor Edgar Viies’ Objekt im Jahr 1967 als „Art and Objecthood” formulierte.

«Space Coordinates» versucht in Nina Schuikis und Paul Kuimets Werken eine Affinität zu den Materialien und Diskursen der architektonischen Nachkriegsmoderne und den Umbrüchen durch fotografische Medien und der damit einhergehenden Neuausrichtung von Skulptur aufzuzeigen. Gleichwohl begegnen beide Künstler diesen Epochen nicht nostalgisch. Vielmehr entwerfen sie einen zeitgenössischen Blick auf die Kunst der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, der programmatisch im Titel eines früheren Werk Schuikis Ausdruck findet: «Condensation Modernism».

Paul Kuimet (geb. 1984 in Tallinn) hat Fotografie an der University of Art and Design Helsinki und Kunst an der Estnischen Akademie der Künste in Tallinn studiert. 2017 war er war Teil der Ausstellung «Archeology of the Screen» am BOZAR Centre for Fine Arts in Brüssel und 2016 Teil des baltischen Pavillons der Architekturbiennale in Venedig. Paul Kuimet hatte Einzel- und Gruppenausstellungen in Institutionen wie dem Contemporary Art Museum of Estonia, Tallinn; Tallinn City Gallery, Tallinn; Kumu Art Museum, Tallinn; Tallinn Art Hall Gallery, Tallinn; Tartu Art Museum, Tartu; Contemporary Art Centre, Riga. 2018 hat Paul Kuimet eine Residenz am WIELS Contemporary Art Centre in Brüssel. Arbeiten von Paul Kuimet sind in Sammlungen wie der Espace Photographique Contretype, Brüssel oder Carousel Colletion, sowie in vielen Privatsammlungen in Estland.

Nina Schuiki (geb. 1983 in Graz) hat Bildende Kunst am Institut für Raumexperimente bei Olafur Eliasson in Berlin und Fotografie an der Universität für Angewandte Kunst bei Gabriele Rothemann in Wien studiert. 2017 war sie Teil der Ausstellung «Festival of Future Nows» im Hamburger Bahnhof. Nina Schuiki hatte Einzel- und Gruppenausstellungen in Institutionen wie der Neuen Nationalgalerie, Berlin; Museum für Fotografie, Berlin; Villa Romana in Florenz, Mumok, Wien; Gotische Halle, Graz; Künstlerhaus Friese, Hamburg; Paul-Clemens-Museum, Bonn; Fotogalerie Wien, Wien; Space Station, Bejing; Ohla Art Space, Shanghai; 1933 Contemporary, Sanghai; Modern Art Museum, Addis Ababa; NAC Foundation, Rotterdam. 2016 erhielt Nina Schuiki das Recherchestipendium des Senats Berlin und das Projektstipendium des österreichischen Kanzleramts.

Nico Anklam ist Kunsthistoriker und Kurator. Er war Lehrbeauftragter für Kunsttheorie an der Universität der Künste Berlin und hat Ausstellungen u.a. an der Kunsthal 44 Møen, dem Rietveld Pavilion Amsterdam und YEARS Kopenhagen realisiert. Zuletzt entwarf er ein Ausstellungs- und Performanceprogramm um den Fluxus-Komponisten Henning Christiansen, das in Dänemark und Norwegen gezeigt wurde. Aktuell arbeitet er als Fellow einer Forschungsgruppe der Universität Greifswald zur Kunst- und Bildproduktion des 19. Jahrhunderts in Nordeuropa und dessen Kolonien.

Im Rahmen der Ausstellung findet ein öffentliches Gespräch zwischen Paul Kuimet, Nina Schuiki und Nico Anklam statt. Die Botschaft der Republik Estland lädt dazu in ihren Sitz in Berlin-Tiergarten ein, am Freitag, den 12. Januar, um 19 Uhr.

Die Botschaft befindet sich in der Hildebrandstraße 5, 10785 Berlin – etwa 10 Minuten Fußweg von WNTRP. Das Gespräch findet auf Englisch statt.

Mit freundlicher Unterstützung des Cultural Endowment of Estonia und der estnischen Botschaft in Berlin.



Paul Kuimet / Nina Schuiki
«Space Coordinates»
Opening: 11 January 2018, 5 – 8 pm
Exhibition: 12 January – 03 March 2018
Curated by Nico Anklam

«Space Coordinates» presents works by Nina Schuiki and Paul Kuimet that condense as sequences of photography or sculpture in space. These serial results often remain arrested in the form of an infinite loop or seem to circle infinitely onward. Both artists share an interest in these issues: they encounter one another for the first time in the exhibition «Space Coordinates».

In «endless candle» (2017), Nina Schuiki's gesture robs a candle of its light-giving function and stretches the material so that it melts to form a circle. In this way, a bright, semi-transparent ring is created made of wax with a visible wick, where the candle is shifted as a light source and instrument for measuring time in the form of a loop. In a chain of wood over twelve meters long entitled «Everything is not lost» (2016), Schuiki reorganizes found tables and chairs from the streets of Shanghai into a regular arrangement of points in space. Here as well, beginning and end are linked to one another and the resulting endless loop recalls popular prayer beads. The new series «Hand» (2017) consists of abstract photographs that Schuiki prints directly onto glass: the motifs turn out to be chance shots taken with cameras on mobile phones showing the inside surfaces of hands. The portal of the touch screen, constructed for tactile permeability, is reversed to a blocked view and gains an unexpected power as a photograph. Schuiki’s work recalls the “accidental pictures” that Peter Geimer describes in his book with the same title. The things represented dissolve in close up and instead the “medium of representation itself comes to appear.” By way of the abstract palm, the screen is not so much transparent, but rather becomes palpable—physically and conceptually—as a glass object.

In Paul Kuimet’s slide projection «Untitled Transparencies» from 2017, the images remain stuck in their medium. In an endless loop, Kuimet shows blinded windows on façades of traditional wooden homes in Estonia. The window as a light source for the architectural interior is repeated in analog slide frames as a mediating window through which the light falls to produce an image. Kuimet casts the light image back onto a wall and this results in images of blinded windows, additional windows in the exhibition space. The window as a window as a window thus remains in the projector box while the slide carousel continues turning.
The work «2060» (2014), developed as a black and white film, takes this as a point of departure and shows a sculpture from 1968 by Estonian artist Edgar Viies. The Möbius strip of filmed sculpture is reflected upon and expanded both in the endless circling of the filmed object as well as in the looped filmstrip that inexorably runs through the projector. In Communist Estonia, Viies’ original sculpture seemed formally associated with the sculpture of Western abstraction. Kuimet’s film «2060» preserves it in this state of self-referential, constant reorientation on a screen viewable from both sides. The viewers walk around the filmed object on the screen. Kuimet is thus referring not least to Michael Fried’s infamous critique of modern sculpture formulated in his 1967 essay “Art and Objecthood,” written a year a before Edgar Viies created his object.

With Nina Schuiki’s and Paul Kuimet’s works, «Space Coordinates» tries to show an affinity to the materials and discourses of architectural postwar modernism and the transformations in photographic media and the resulting reorientation of sculpture. At the same time, both artists do not view these periods in a nostalgic way. Instead, they cast a contemporary view of art of the 1960s and 1970s that is programmatically expressed in the title of an earlier work by Schuiki: «Condensation Modernism».

Paul Kuimet (born 1984 in Tallinn) studied photography at the University of Art and Design Helsinki and at the Estonian Academy of Arts in Tallinn. In 2017 Kuimet participated in the exhibition «The Archeology of the Screen» at the BOZAR Centre for Fine Arts in Brussels and 2016 he was part of The Baltic Pavillion of the The 15th Venice Biennial of Architecture. Paul Kuimet has had solo and group exhibitions in institutions such as Contemporary Art Museum of Estonia (EKKM), Tallinn; Tallinn City Gallery, Tallinn; Kumu Art Museum, Tallinn; Tallinn Art Hall Gallery, Tallinn; Tartu Art Museum, Tartu; KIM Contemporary Art Centre, Riga. In 2018 Paul Kuimet will have a residence at WIELS Contemporary Art Centre in Brussels. Works of Kuimet are in the collection of the Espace Photographique Contretype, Brussels and the Carousel Colletion, as well in many private collections in Estonia.

Nina Schuiki (born 1983 in Graz) studied art at the Institut für Raumexperimente under Olafur Eliasson in Berlin and photography at the University for Applied Arts under Gabriele Rothemann in Vienna. In 2017 she was part of the exhibition «Festival of Future Nows» at Hamburger Bahnhof in Berlin. Nina Schuiki has had solo and group exhibitions in institutions such as Neue Nationalgalerie, Berlin; Museum für Fotografie, Berlin; Mumok, Vienna; Villa Romana in Florence, Gotische Halle, Graz; Künstlerhaus Friese, Hamburg; Paul-Clemens-Museum, Bonn; Fotogalerie Wien, Vienna; Space Station, Bejing; Ohla Art Space, Shanghai; 1933 Contemporary, Shanghai; Modern Art Museum, Addis Ababa; NAC Foundation, Rotterdam. In 2016 Nina Schuiki received the work and research scholarship of the federal state government of Berlin and the project scholarship of the chancellery of Austria.

Nico Anklam is an art historian and curator. He was lecturer for Art Theory at the University of the Arts Berlin and conceived exhibitions at Kunsthal 44 Møen, the Rietveld Pavilion Amsterdam and YEARS Copenhagen, amongst others. Most recently he realized a traveling exhibition and performance program around the Fluxus composer Henning Christiansen between Denmark and Norway. Currently he works as a research fellow at the University of Greifswald on art and image production of the 19th century in Northern Europe and its colonies.

On the occasion of the exhibition the Estonian Embassy in Berlin invites you to a conversation between Paul Kuimet, Nina Schuiki and Nico Anklam at their premises in Berlin-Tiergarten: Friday, January 12, at 7 pm.

The embassy is located at Hildebrandstraße 5, 10785 Berlin – about 10 minutes walking distance from WNTRP. The conversation will be held in English.

Sponsored by the Cultural Endowment of Estonia and the Estonian Embassy in Berlin.
Diskussion
image
Nur registrierte Benutzer können Kommentare hinterlassen.
Registrieren Sie sich schnell oder autorisieren Sie sich.

Das am meisten erwartete Veranstaltungen in Berlin :

Berliner Halbmarathon 2018
Karl-Marx-Allee
The Streets | Berlin
Heimathafen Neukölln
Wir haben es satt!-Demonstration
Berlin Hauptbahnhof
Berlin Twerk Battle 2018 & Aftershow-Party & Bass Sultan Hengzt
Festsaal Kreuzberg
19. Spieltag: Hertha BSC - Borussia Dortmund
Olympiastadion Berlin
Kontra K • Gute Nacht Tour • Max Schmeling Halle • Berlin
Max-Schmeling-Halle Berlin
Berliner Käsetage am Samstag, 24.02.2018 (10-23 Uhr)
Arminius Markthalle
100% Scooter - 25 Years Wild & Wicked Tour I Berlin
Velodrom Berlin
David Hasselhoff - Berlin (VVK)
Friedrichstadt-Palast Berlin
Halbmarathon - Berlin 2018
Karl-Marx-Allee
Die populärsten Veranstaltungen in Deinem News Feed!