Grenzüberschreitung @ Schau Fenster, Berlin [19. Oktober]

Grenzüberschreitung


310
19.
Oktober
19:00 - 01:00

 Facebook-Veranstaltungen
Schau Fenster
Lobeckstr.30-35, 10969 Berlin
GRENZÜBERSCHREITUNG

Gruppenausstellung mit:

Annique Delphine
Lukasz Furs
Philip Kojo Metz
Nural Moser
Sarah Naqvi
Eva Vuillemin & Mary Audrey Ramirez
Wermke/ Leinkauf

kuratiert von Sophia Bauer

Eröffnung: Do 19.10. 2017, 19 – 1 Uhr

Laufzeit: 20.10. – 05.11.17

geöffnet nach Rücksprache
[email protected]

Schau Fenster
Lobeckstraße 30-35, 10969 Berlin

dasarty.com

Grenzüberschreitung
Ob psychisch, gesellschaftlich-politisch oder taktil, Grenzen werden gezogen, überschritten und neu bedacht. Kant sagte „Meine Freiheit endet dort wo die Freiheit des anderen beginnt.“ Um die gesellschaftlichen Grenzen der Freiheit zu definieren, müssen sie erst überschritten werden. Leider ist im Zeitalter des Rechtspopulismus Grenzüberschreitung sehr negativ konnotiert und der Wunsch nach konservativer Führung und Ungleichheit bzw. „White Supermacy“, traditioneller Familie sowie einer Verbannung von Genderstudies/ Feminismus, historischer Erinnerungskultur und ethnischer Pluralität usw. verbreitet, einhergehend mit dem Wunsch nach totaler Überwachung und harten Sanktionen.
Als persönliches Unbehagen an der Gesellschaftsentwicklung und deren Feindseligkeiten gegenüber liberalen Normen und Werten zeigt die Ausstellung „Grenzüberschreitung“ Kunst die zwischen dem medialen, ästhetischen, gesellschaftskritischen sowie legalen und illegalen Bereich oszilliert. Grenzen einhalten bedeutet auch immer aushalten und blinder Gehorsam. Grenzen überschreiten in der Kunst, bedeutet auffallen, Mut, Idealismus und den Wunsch nach Veränderung oder einen Diskurs zu eröffnen.

Der Titel der Gruppenausstellung „Grenzüberschreitung“ kreist peripher oder zentral um die ausgestellten Arbeiten herum. Mal wörtlich zu nehmen, wie bei der Arbeit von Nural Moser. Die von ihr konzipierte Skulptur durchbricht die Grenzen des Mediums, in analoger und digitaler Form. Es stellt sich die Frage nach der Archivierung und Vergänglichkeit der Kunst, ebenso stellt sie ein haptisches Objekt einem digitalen 3D animierten Objekt gegenüber. Die pakistanische Künstlerin und Textildesignerin Sarah Naqvi bestickt Binden und Tampons dekorativ mit Blümchen oder mit rotem Faden, der fließendes Blut imitiert. Menstruierende Frauen gelten in einigen Religionen als so abstoßend, dass es ihnen nicht erlaubt ist Essen für andere als sich selbst zu berühren. Naqvis Anliegen ist es, die Tabuisierung der Menstruation aufzubrechen und durch die Inszenierung einer dekorativen Ästhetik mehr als eine gesellschaftliche Akzeptanz zu forcieren.

Lukasz Furs spielt mit der Grenze des Raumes. Seine eingezogene Wand verkürzt den Raum und täuscht in der frontalen Ansicht die komplette Zerstörung der Wand vor. Diese Kunsterfahrung tangiet die Grenze von Alltagsästhetik und Konzept. Aus der Distanz betrachtet, formt sich das Kunstwerk aus der unergründbaren Dekonstruktion zu einem abstraktes, pittoreskes Bild.

Die Videoarbeit von Wermke / Leinkauf zeigt eine Person, die unweit vom Reichstag und der ehemaligen Innerdeutschen Grenze bis 1989, nackt vom Ostufer der Spree zum Westufer der Spree schwimmt und hinaussteigt.

Gesellschaftliche Konventionen brechen Eva Vuillemin & Mary Audrey Ramirez in ihrer gemeinsamen Videoarbeit „Medusa“ auf. Im Kontrast zum Titel, der suggeriert dass einem ein zum versteinernden grässlicher Anblick geboten wird, zeigt die Arbeit zwei Beinpaare die vor schwarzem Grund hin und her schreiten, begleitet von brachialen Windgeräuschen, die auf einer Eisenplatte zerbersten. Anmutig und simultan rinnt an beiden Personen der Urin hinab. Gemeinsames „laufen lassen“, eine ungewöhnliche Intimität und Nähe entsteht, obwohl der gewählte Bildausschnitt eine Anonymisierung vorgibt. Die gewählte Bildästhetik lässt die Grenze zum erotischen Fetischismus nicht überschreiten, wohlschon aber die Grenze des normierten konventionellen Benehmen — ein schöner, diffizil dargestellter Tabubruch.

Philip Kojo Metz ließ 2016 in Mimicry Games Fußballspieler aus ehemaligen europäischen Kolonien in Trikots ihrer früheren Kolonialherren gegeneinander spielen. Frankreich gegen Deutschland, abgehalten von Kameruner Profispielern in Afrika verweist auf den Ersten Weltkrieg, als beide Supermächte Kameruner Soldaten dazu verpflichteten, gegeneinander zu kämpfen und für das jeweilige Land im Krieg zu sterben. Es scheint ein unbefangenes Fußballspiel zu sein jedoch verweist es auf Kolonialismus, nationale Konkurrenz und stellt die Grenzen nationaler Identität in Frage und bricht die Grenzen des Sports als entpolitisiertem Schauplatz der Gefühle auf.

Das ehemalige Model Annique Delphine hat im Fashionalltag unzählige Male erlebt wie ihr eigener Körper deskrediteiert und ihre Person vom Subjekt zum reinen Objekt degradiert wurde. Täglich wird in den sozialen Medien der weiblich Nippel im Gegensatz zu seinem männlichen Pendant als nicht vorzeigbar herabgewürdigt und als zu sexuell stigmatisiert. Weibliche entblößte Brustwarzen werden als Grenzüberschreitung, als öffentliches Ärgernis angesehen, halb entblößt darf jedes Produkt von Eis bis Auto beworben werden. Annique Delphine stellt humorvoll den weiblichen Körper und seine Objektivierung in den Fokus ihrer Arbeiten und übt so Kritik an dem alltäglichen medialen Sexismus und Fetischismus des weiblichen Körpers.
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