Klassensprachen. opening @ District Berlin, Berlin [20. Juli]

Klassensprachen. opening


1389
20.
Juli
19:00 - 22:00

 Facebook-Veranstaltungen
District Berlin
Bessemerstraße 2-14, 12103 Berlin
/// Please scroll down for English version ///

Als 'Form-Krieg' dreht der K sich nicht nur um die politischen Formen (...). Die Form-Kämpfe sind zugleich Kämpfe um Sinn; sie erfüllen Kultur und Sprache mit lebendigem Widerstand (....).

„Das Zeichen wird zu Arena des K.“

In Wörterbucheinträgen wird das besprochene Wort nach seiner ersten Nennung durch seine Initiale repräsentiert. Klasse, Klassenkampf, Klassenwiderspruch werden, ebenso wie Krise, Katastrophe oder Kolonialismus, zu K. Unser K. steht für KLASSENSPRACHEN – und damit für ein Terrain von Antagonismen, in dem sich die politischen Orthodoxien der Vergangenheit mit den sozialen Brutalitäten der Gegenwart treffen.

In dieser Gegenwart sind Fragen der Übersetzung, der Versprachlichung und der (körperlichen) Einschreibung jener Divergenzen Teil eines allumfassenden Prozesses geworden, dessen Veränderungen und Zuspitzungen wir mit KLASSENSPRACHEN in den Vordergrund ziehen wollen, künstlerisch, kuratorisch, im Schreiben und in der Debatte. Es geht uns nicht darum, die Kunst als Politik auszugeben, sondern sie auf die Signaturen, die Marker und Formen der zutiefst antagonistischen Verhältnisse zu überprüfen, deren materieller Teil sie ist: Es geht uns um Kunst als Klassensprache ebenso wie um Klassensprachen in der Kunst.

Wir möchten beginnen, ein Terrain zu kartieren, uns anzueignen, zu besetzen und ausufern zu lassen, auf dem wir einen fortlaufenden Problemaufriss produzieren. In drei Formaten – in Ausstellungen, Magazinen und Debatten – wollen wir uns von nun an in unregelmäßigen Abständen der Konfrontation mit/von Klassensprachen in der Bildenden Kunst der Gegenwart widmen und prüfen, wie diese in Richtung der gemeinsamen Entwicklung eines praktischen Wissens, einer Handlungsfähigkeit innerhalb und außerhalb der Kunst geöffnet werden können. Für ein Verständnis also, das nicht so sehr auf eine positive gemeinsame Identifizierung hofft, als vielmehr in miteinander geteilten Negativitäten bestehen will, in Übersetzungen antagonistischer Erfahrungen aneinander. Denn wenn man das orthodoxe Verständnis von Klasse hinter sich lässt, die Grammatik von Produktivität, die ihr anhaftet, und die exklusiven Ideologien von Fortschritt und Freiheit, die sie aufruft, stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten eines Klassenbegriffs im Jenseits solcher national organisierten Modernismen. KLASSENSPRACHEN möchte diesen Fragen nachgehen: Wie können aus miteinander geteilten und uns voneinander teilenden Formen gegenwärtiger Unterdrückung praktische Solidaritäten sprachlich werden – innerhalb der Kunst und jenseits von ihr?

Als weithin klassenspezifische Institution des globalisierten Kapitalismus ist die Kunst selbst keineswegs ein Hort authentischer Kommunikation inmitten der kalten Abstraktion der Wertform. Ihre gegenwärtige Form basiert auf ebenjenen Modernismen, die schon den Begriff der Klasse oft so unzumutbar orthodox erscheinen lassen. KLASSENSPRACHEN geht es dementsprechend sowohl um eine Heterodoxie der Klasse als auch der Kunst. Wie der eingangs zitierte Linguist Valentin Voloshinov bereits 1929 feststellte: Jede Form ist ein Terrain von Klassenkämpfen. Die erste Ausstellung bei District, das darauf folgende Debattenwochenende und die erste Ausgabe der Zeitschrift KLASSENSPRACHEN, die zum Ende der Ausstellung im September erscheint, bilden einen breit aufgestellten Auftakt, eine Materialsammlung, eine exemplarische Ansicht derjenigen künstlerischen, poetischen, kritischen, publizistischen und theoretischen Positionen, bei denen wir nach Anhaltspunkten für die Frage der Klassensprachen suchen. Dieser kollaborative Arbeitszusammenhang will ein Panorama ihrer Formen und Widerstreite erstellen: Hierin tritt die Kunst als Ausgangs- aber – so hoffen wir – nicht als Endpunkt unseres fortlaufenden Engagements auf.

Teilnehmer_innen: Kai Althoff/Isa Genzken, Gerry Bibby, Cana Bilir-Meier, Sean Bonney, Hans-Christian Dany, Övül Ö. Durmuşoğlu, Michaela Eichwald, Frank Engster, Fehras Publishing Practices, keyon gaskin, Sarah M. Harrison, Ann Hirsch, HATE MAGAZIN, Karl Holmqvist, Infofiction, Stephan Janitzky, Jutta Koether, Justin Lieberman, Hanne Lippard, Thomas Locher, Sidsel Meineche Hansen, Karolin Meunier, Rachel O’Reilly, Phase 2, Johannes Paul Raether, Monika Rinck, Aykan Safoğlu, Juliana Spahr, spot the silence, Starship, Josef Strau, Marlene Streeruwitz, Hans Stützer, Linda Stupart, Ryan Trecartin, Peter Wächtler, Ian White, Tanja Widmann, Frank B. Wilderson III, Susanne M. Winterling, Alenka Zupančič und andere.

20. Juli 2017, 19 Uhr

Ausstellungseröffnung KLASSENSPRACHEN

21. & 22. Juli 2017

Klassensprachen. debates
Am Eröffnungswochenende werden künstlerische und theoretische Beiträge das umkämpfte Terrain von Klassensprachen kartieren sowie dessen Potentiale und Probleme zur Disposition stellen.

16. September 2017
Magazin Launch und Abschluss der Ausstellung mit einer Diskussionsveranstaltung und einer Party.

Initiiert von Manuela Ammer (mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien), Eva Birkenstock (Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf), Jenny Nachtigall (Akademie der Bildenden Künste, München), Kerstin Stakemeier (Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg) und Stephanie Weber (Städtische Galerie im Lenbachhaus München) ist dieses Projekt als langfristige Kollaboration angelegt.

Ausstellungsdesign: Fotini Lazaridou-Hatzigoga
Grafik: Offshore Studio

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin. Unterstützt von cine plus und Jungle World.

Weitere Informationen auf: klassensprachen.org/ und district-berlin.com/

/////// EN ////////

As a ‘struggle of form,‘ C. is not only concerned with political As a ‘struggle of form', C. is not only concerned with political forms (…). The struggles of form are struggles of meaning; they imbue culture and language with active resistance. (…)
“The sign becomes the arena of C.”

In dictionary entries, their initials represent terms after their first mention. Class, class struggle, class contradiction, as well as crisis, catastrophe, and colonialism turn into C. Our C. stands for Class Languages – and thus for a terrain of antagonisms in which past political orthodoxies encounter the social brutalities of the present.

In this present, questions of the translation, articulation and (bodily) inscription of these divergences have become part of an all-encompassing process, whose transformations and intensifications we want to foreground with CLASS LANGUAGES: artistically, curatorially, within writing and in debates. We are not interested in presenting art as a stand-in for politics, but rather want to investigate the signatures, markers and forms of the deeply antagonistic relations, of which it is a material part: What we are concerned with, in other words, is art as a class language as much as class languages within art.

We want to start mapping, appropriating, occupying and expanding a terrain on which we continuously produce fault lines. In three formats – in exhibitions, magazines, and debates – we want to periodically confront the notion of class languages in/of contemporary art and probe how they could be opened up towards a collective development of a practical knowledge, of forms of agency within and beyond art. Towards a notion of class that does not so much consist of mutually affirmative identifications but rather of shared forms of negativities, of translations of antagonistic experiences alongside one another. Leaving behind orthodox notions of class and the grammar of productivity attached to them as well as the ideologies of progress and freedom that they evoke, begs the question of the possibilities of a concept of class beyond such nationally organized modernisms. CLASS LANGUAGES seeks to pursue precisely such questions: How can we bring practical solidarities into articulation that rise out of the forms of oppression that unite and divide us alike – within art and beyond?

A classed institution of globalized capitalism itself, art is not at all a privileged site of recovering authentic communication amidst the cold abstraction of the value form. Its contemporary form is based on precisely those modernisms that frequently made the notion of class appear unacceptably orthodox. Consequently, CLASS LANGUAGES is concerned with a heterodox perspective on both class and art. As the linguist Valentin Voloshinov observed in the short quote at the outset of this text: Each form is the terrain of class struggles. The first exhibition at District, the debate program that follows and the first issue of the magazine KLASSENSPRACHEN, which will be published at the closing of the show in September, present a diverse collection of materials, an exemplary view of those artistic, poetic, critical, media, and theoretical positions which we engaged in our search for points of orientation regarding the question of class languages. This collaborative working environment wants to assemble a panorama of its forms and antagonisms: Art is a starting point but – so we hope – not the end point of our ongoing commitment.

Participants: Kai Althoff/Isa Genzken, Gerry Bibby, Cana Bilir-Meier, Sean Bonney, Hans-Christian Dany, Övül Ö. Durmuşoğlu, Michaela Eichwald, Frank Engster, Fehras Publishing Practices, keyon gaskin, Sarah M. Harrison, Ann Hirsch, HATE MAGAZIN, Karl Holmqvist, Infofiction, Stephan Janitzky, Jutta Koether, Justin Lieberman, Hanne Lippard, Thomas Locher, Sidsel Meineche Hansen, Karolin Meunier, Rachel O’Reilly, Phase 2, Johannes Paul Raether, Monika Rinck, Aykan Safoğlu, Juliana Spahr, spot the silence, Starship, Josef Strau, Marlene Streeruwitz, Hans Stützer, Linda Stupart, Ryan Trecartin, Peter Wächtler, Ian White, Tanja Widmann, Frank B. Wilderson III, Susanne M. Winterling, Alenka Zupančič, and others.

Programme

20 July, 7 pm
Opening reception KLASSENSPRACHEN

21 & 22 July
Klassensprachen. debates
The opening weekend will be accompanied by a program of artistic and theoretical contributions that will chart the contested terrain of class languages and put up for debate its potentialities and problems.

16 September
Launch of the magazine and closing of the exhibition with a discussion and a party.

CLASS LANGUAGES is a long-term collaboration initiated by Manuela Ammer (mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien), Eva Birkenstock (Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf), Jenny Nachtigall (Akademie der Bildenden Künste, München), Kerstin Stakemeier (Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg), and Stephanie Weber (Städtische Galerie im Lenbachhaus München).

Exhibition design: Fotini Lazaridou-Hatzigoga
Graphic design: Offshore Studio

Funded by Hauptstadtkulturfonds Berlin. Supported by cine plus and Jungle World.

For further information please visit: klassensprachen.org/ and district-berlin.com/
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